
3 Fragen an Veit Rudolph von Rudolph Druck
Veit Rudolph ist Geschäftsführer der Rudolph Druck GmbH in Schweinfurt. Seit seiner Gründung im Jahr 1992 legt das Unternehmen eine beeindruckende Erfolgsgeschichte hin – geprägt von Expansion und Innovation.
Das Team beschreibt seine Arbeit mit „wir konzentrieren uns voll auf das, was wir am besten können: hochwertige Buchproduktionen, moderne Digitaldrucktechnik und erstklassige Verarbeitung“.
Veit ist einer der bekanntesten Netzwerker in der Druckindustrie – und das schimmert auch in seinen Antworten auf unsere „3 Fragen“ durch.
Wie bist Du in die Druckindustrie gekommen und was fasziniert Dich als Unternehmer bis heute an diesem Berufsfeld?
Ich bin sozusagen in der Druckerei aufgewachsen – die Druckerei meines Vaters war direkt bei uns im Hof. Von klein auf habe ich die Leidenschaft aufgesaugt, die es für wirklich gute Druckprodukte braucht. Bis heute fasziniert mich, was wir in unserer Branche tagtäglich erschaffen. Ob Verpackung, Etikett oder Broschüre: Am Ende ist unsere Arbeit ausschlaggebend dafür, wie ein Produkt wirkt.
Gute Drucksachen entstehen nicht von selbst. Sie erfordern echte Leidenschaft und handwerkliches Geschick. Gerade wenn es in der Produktion mal nicht rund läuft, muss man kreativ werden. Manchmal bedeutet das, Maschinen ungewöhnlich zu bedienen oder Verfahren völlig anders anzuwenden, als es im Lehrbuch steht, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen.
Dafür braucht es einen ganz besonderen, lösungsorientierten Menschenschlag – und genau diesen Schlag Mensch gibt es in der Druckbranche. Das begeistert mich jeden Tag aufs Neue.
Was fasziniert Dich an gedruckter Kommunikation bis heute am meisten?
Es ist die Physis und die emotionale Wirkung, die ein gedrucktes Produkt – allen voran das Buch – entfalten kann. Print bietet ein haptisches Erlebnis, das kein Bildschirm ersetzen kann.
Mich fasziniert besonders, dass man gar nicht immer das maximale Budget braucht, um zu glänzen. Kombiniert man ein schönes Papier mit dem richtigen Druckverfahren und dem genau richtigen Menge und Art der Veredelung erschafft man Produkte, die man einfach anfassen möchte.
Ein Buch, das man gerne in die Hand nimmt, ins Regal stellt oder verschenkt, das hat eine ganz andere Halbwertszeit als flüchtige digitale Inhalte.
Wenn Du einen Wunsch frei hättest: Was sollte sich in der Druckindustrie in den nächsten fünf Jahren verändern?
Dass wir aufhören, uns gegenseitig die Preise kaputtzumachen. Natürlich haben wir Überkapazitäten, und ich verstehe jeden, der in finanziellen Nöten über den Preis akquiriert. Aber das ist in einem schrumpfenden Markt keine nachhaltige Lösung. Wir müssen als Branche endlich selbstbewusster auftreten.
Das bedeutet nicht, Preise abzusprechen. Es bedeutet, sich selbst einzugestehen, wann man einen Auftrag lieber einem Kollegen überlässt, der besser dafür aufgestellt ist. Wenn wir miteinander reden und Kapazitäten clever teilen, anstatt uns blind zu unterbieten, profitieren alle. Das führt zu besseren Preise für die Kunden, gesünderen Betrieben und weniger ruinösem Wettbewerb.
Was siehst Du aktuell als die größten Herausforderungen und Chancen für die Druckbranche?
Die größte Herausforderung: Wir müssen mit einer rasanten technischen Entwicklung und ständigen Prozessoptimierungen Schritt halten. Der schrumpfende Markt erzeugt einen enormen Innovationsdruck. Das Paradoxe daran: Neue Maschinen bieten zwar tolle technische Möglichkeiten, bringen aber fast immer auch zusätzliche Kapazitäten mit sich. Das verschärft den Wettbewerb und drückt die Preise weiter. Ein Teufelskreis, den wir durchbrechen müssen.
Die größte Chance: Sie liegt ganz klar in noch kleineren, individuelleren Auflagen – von der gezielt eingesetzten Kleinauflage bis hin zur Mass Customization. Wenn wir es schaffen, neben der reinen Qualität auch den Faktor Personalisierung ins Spiel zu bringen, verändern wir die Spielregeln. Ein maßgeschneidertes Druckprodukt hat einen viel größeren Einfluss auf das Endprodukt des Kunden. Für diesen echten Mehrwert können wir dann auch einen höheren, fairen Preis verlangen.
Informationen zu Rudolph Druck
„Für uns ist Druck keine Nostalgie, sondern eine Haltung – für Handwerk, für Respekt gegenüber Material und Prozessen, für Präzision, für Entschleunigung, für Leidenschaft“ – dieses Statement auf der Website von Rudolph Druck umreißt die Wertewelt des Familienunternehmens (das, nebenbei bemerkt, den Generationswechsel erfolgreich gemeistert hat).
Die Leidenschaft für den Druck zeigt sich auch im lebendigen Druckerei-Marketing mit seinem frischen Auftritt und der Nutzung einer Vielzahl von Kanälen wie Social Media und Podcasts.
Das Credo des Unternehmens ist „nur gemeinsam sind wir stark“. Das gilt sowohl intern als auch innerhalb der Branche – über sinnvolle (Produktions-)Kooperationen statt blindem „Konkurrenzkampf“, der nur die Preise weiter unter Druck setzt.
Diese Philosophie gipfelt im jährlichen Rudolph Druck Print Symposium. Das Event „von Druckern für Drucker“ ist mehr eine „Party mit Vorträgen“ als ein steifes Konferenzformat. Es findet jeweils bei einer anderen Druckerei statt – in diesem Jahr bei Wiesendanger Medien in Murnau, in 2027 bei Königsdruck in Berlin.
Eine Reportage über das Rudolph Druck Print Symposium 2026 finden Sie hier.