
Ein Fest der Druckindustrie zwischen Staffelsee, Stammtisch und Strategie: Willkommen in der DangerZone
Wer am 21. Mai ins oberbayerische Murnau gereist war, kam nicht nur wegen der Postkartenidylle an den malerischen Staffelsee.
In den Räumen der Wiesendanger Medien GmbH traf sich die Branche zum mittlerweile 5. Rudolph Druck Print Symposium, veranstaltet von Rudolph Druck aus Schweinfurt. Unsere Kollegen Florian Käsbauer und Markus Brandstätter waren dabei.
Vorab: Das war kein übliches Symposium – schon der Titel „Willkommen in der DangerZone“ deutete darauf hin. Es war eher eine „Party mit Vorträgen“, ein echtes Fest der Druckindustrie – gemacht von Druckern für Drucker. Mit einer mitreißenden Atmosphäre, gehörig Entertainment und, trotz aller wirtschaftlichen Herausforderungen, mit viel Optimismus.
Schon am Vorabend beim Druckerstammtisch im Griesbräu wurde klar: Hier geht es um echten Austausch auf Augenhöhe, schon hier wurde intensiv über den Markt, die Technik und neue Geschäftsmodelle diskutiert.
Einen Eindruck von all dem vermittelt dieses Video. Und hier ein kurzes Interview „on location“ mit Florian Käsbauer:
Produktionspartnerschaften als „New Print Turbo“
Letzteres haben auch Veit Rudolph von Rudolph Druck, Thomas Karcher von Butz & Bürker und Martin Schüßler von multidruck in ihrem Vortrag gemacht. Unter dem Titel „New Print Turbo“ – wie ist es, wenn jeder das macht, was er am besten kann“, ging es um (Produktions-)Partnerschaften zwischen Druckereien.
Auch wenn das Trio seine Zusammenarbeit schlussendlich nicht am Leben halten konnte, wurde klar, dass solche Partnerschaften in der Akquise viele Chancen bieten.
Inspirierende Präsentation einer Schokoladenmanufaktur
Auf der Agenda stach ein Programmpunkt unter dem Titel „Geschmacksexplosion“ besonders ins Auge – eine Präsentation der Schokoladenmanufaktur Krönner in Murnau. Aber was hat eine Chocolaterie mit der Druckindustrie zu tun? Weit mehr, als man auf den ersten Blick vermutet.
Krönner verarbeitet im Jahr 13 Tonnen Schokolade, während die größten Hersteller auf bis zu 900 Tonnen kommen – pro Tag wohlgemerkt.
Erfolg mit Klasse statt Masse
Trotzdem – oder gerade deshalb – behauptet sich die Manufaktur erfolgreich im Markt. Sie setzt bewusst auf Klasse statt Masse. Edle Kakaosorten; handwerkliche Verarbeitung mit teils historischen Maschinen; eine gläserne Manufaktur, in der Kunden den Prozess miterleben können; und personalisierte Sonderproduktionen im Branding von Unternehmenskunden – all das ergibt ein Geschäftsmodell, mit dem die Manufaktur im Wettbewerb besteht.
Der „Edelkakao“ der Druckindustrie
Übertragen auf Druckereien könnten der „Edelkakao“ der Printwelt kuratierte Premiumpapiere und besondere Veredelungen sein. Die „gläserne Manufaktur“ kann sich in Workshops oder Musterboxen ausdrücken, bei denen Kunden die Wertigkeit von Print buchstäblich fühlen. Und die „Firmen-Schokolade“ wird zum Bild für individuelle Bestellportale und maßgeschneiderte Angebote für Unternehmenskunden.
Die Botschaft dahinter: Kleine und mittlere Druckereien müssen nicht „auf Teufel komm raus“ versuchen, die großen Online-Only-Anbieter im Preis zu schlagen – sie können stattdessen ihre eigene Manufaktur-Geschichte erzählen.
Wenn Umweltorganisatoren Print zur Seite springen
Heiko Engelhardt, Geschäftsführer der Burda Druck GmbH, führte er das Publikum mitten hinein in die Realität eines Großbetriebs: 2,3 Millionen Hefte pro Tag, 70 Milliarden Seiten im vergangenen Jahr, 216.000 Tonnen Papier, 8,6 Milliarden Quadratmeter bedruckter Fläche und 7,2 Millionen Kilo Farbe.
Engelhardt legte auch Zahlen zu den Emissionen offen: Eine Ausgabe des Magazins Focus verursacht 147 g CO₂e, eine der Freizeit Revue 126 g – und der Löwenanteil davon entfällt mit rund 77 Prozent auf das Papier inklusive Transport.
Besonders spannend wurde es im unvermeidlichen Vergleich zwischen Print und Digital: Greenpeace zum Beispiel stuft Print dann als nachhaltiger ein, wenn eine Zeitung von mehr als drei Personen oder länger als eine halbe Stunde gelesen wird. Und das Öko-Institut sieht bei einer Million Impressions Printwerbung im Vorteil gegenüber digitalen Formaten.
Wie es weitergeht: 2027 und 2028
Termin und Ort für das nächste Rudolph Druck Print Symposium stehen bereits fest: Am 12. Mai 2027 geht es nach Berlin. Gastgeber wird dann die Königsdruck GmbH sein. Und auch für 2028 gibt es schon Planungen: Dann findet das Symposium in doppeltem Sinne parallel zur Drupa statt – auf einem Schiff auf dem Rhein.