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Warum Layers keine Layers sind

Ein callas Blog-Beitrag von David van Driessche
Zum Originalartikel

Die meisten kreativen Anwendungen verfügen über ein „Layer“-Konzept. In der Regel wird dies in der Benutzeroberfläche ähnlich wie unten dargestellt:



Hier haben wir mehrere Ebenen, und jede Ebene enthält ein Objekt: insgesamt drei Textzeilen und zwei Vektorelemente (Rechtecke). In der Regel können diese Ebenen nun in der Benutzeroberfläche ein- oder ausgeschaltet werden, wodurch die darauf befindlichen Objekte sichtbar oder unsichtbar werden. Im obigen Screenshot ist alles sichtbar.


Ebenen und Z-Reihenfolge



In den meisten kreativen Anwendungen ist das Konzept der Ebenen eng mit der sogenannten „Z-Reihenfolge“ oder „Malreihenfolge“ verbunden, also der Reihenfolge, in der Objekte auf die Leinwand gemalt werden. Dabei werden die unteren Ebenen zuerst gemalt, die höheren Ebenen werden über die unteren Ebenen gemalt. Wenn man alle Rechteckebenen nach unten verschiebt, ändert sich das Design:





Die Rechtecke befinden sich nun am unteren Ende der Z-Reihenfolge, und der Text wird darüber gelegt. Die obigen Screenshots stammen aus Affinity Publisher, aber das Konzept ist in Adobe Photoshop, Adobe Illustrator, Adobe InDesign, QuarkXPress usw. dasselbe.


Ebenen in callas pdfToolbox



pdfToolbox verfügt auch über sogenannte Ebenen:




Es gibt ein Fenster namens „Layer Explorer“, in dem Sie sehen können, welche Ebenen aus Kreativanwendungen stammen und welche Ebenen in der PDF-Datei selbst erstellt wurden. Leider, und das zeigt auch der Screenshot oben, handelt es sich hierbei nicht um Ebenen, wie Sie sie kennen...


OCG



„OCG“ steht für „Optional Content Group“ (optionale Inhaltsgruppe). Das PDF-Dateiformat kennt das Konzept einer „Ebene“ als solches nicht, sondern stattdessen das Konzept einer optionalen Inhaltsgruppe. OCGs sind völlig optional, Ihre PDF-Dateien benötigen sie überhaupt nicht. Sie können jedoch vorhanden sein, um bestimmte Elemente auf der Seite zu gruppieren und ihre Sichtbarkeit zu steuern.

Was pdfToolbox als „Ebenen“ bezeichnet, sind in Wirklichkeit „Optional Content Groups“ (optionale Inhaltsgruppen), die in der PDF-Datei zu finden sind. Warum werden sie als Ebenen bezeichnet? Nun, zum einen ist es ein geläufiger Begriff, der sicherlich einfacher zu verstehen ist als „optionale Inhaltsgruppen“ oder „OCGs“, und zum anderen bieten die meisten kreativen Anwendungen die Möglichkeit, Ebenen beim Exportieren von PDF-Dateien in OCGs zu übersetzen. Aus Gründen der Kontinuität und Einfachheit ist es daher sinnvoll, sie in pdfToolbox als Ebenen zu bezeichnen.

Sinnvoll. Aber Vorsicht, es gibt Fallstricke!


OCGs und die „Z-Reihenfolge“



Die Gefahr besteht darin, dass sich OCGs in wichtigen Punkten grundlegend von Ebenen unterscheiden. Vor allem haben optionale Inhaltsgruppen nichts mit der „Z-Reihenfolge“ zu tun. Tatsächlich macht der obige Beispiel-Screenshot aus pdfToolbox etwas, was in kreativen Anwendungen nicht möglich ist. Er enthält zwei „Ebenen“:
  • Alle Textobjekte
  • Alle Vektorobjekte


Die Ebene „Alle Textobjekte“ enthält alle Textobjekte, und wenn man sie ausschaltet, werden alle Textobjekte aus der PDF-Datei ausgeblendet. Dies ist in kreativen Anwendungen nicht möglich, da diese Textobjekte nicht zusammen in der Z-Reihenfolge stehen!

Auch das Ändern der „Reihenfolge“ dieser beiden Ebenen im PDF-Dokument (z. B. das Verschieben der Ebene „Alle Vektorobjekte“ nach oben) hat keinerlei Auswirkungen darauf, wie die PDF-Seite dargestellt wird. Auch hier gilt: Optionale Inhaltsgruppen in PDF-Dateien sind in keiner Weise mit der Z-Reihenfolge der darin enthaltenen Objekte verknüpft.


Z-Reihenfolge in PDF



Gibt es in PDF kein Konzept für die Z-Reihenfolge? Natürlich gibt es das: Objekte auf einer Seite werden in einer bestimmten, genau definierten Reihenfolge gezeichnet (tatsächlich in derselben Reihenfolge, in der sie in der Seitenbeschreibung für eine Seite definiert sind). Sie können Objekte in PDF auch in der Z-Reihenfolge verschieben. In pdfToolbox gibt es beispielsweise die Korrekturfunktion „In den Vordergrund bringen“:



Dies bringt die angegebenen Objekte an den Anfang der Zeichenreihenfolge (an den Anfang der Z-Reihenfolge). Die Korrektur „Nach hinten verschieben“ bewirkt das Gegenteil und verschiebt sie nach hinten.

Diese Korrekturen sind ebenfalls sehr nützlich, da sie beispielsweise sicherstellen, dass eine Schnittkontur (Stanzlinie) über allen anderen Objekten in der Datei gezeichnet wird.


Fazit



Obwohl pdfToolbox über einen „Layer Explorer“ verfügt und oft von Ebenen in PDF-Dokumenten die Rede ist, sollten Sie damit sehr vorsichtig sein. PDF-Dokumente haben nicht wirklich ein Ebenenkonzept, wie Sie es aus Ihren Kreativanwendungen kennen, und es ist gefährlich, sie so zu betrachten.

Stattdessen gibt es in PDF das Konzept der „Optional Content Group“ oder „OCG“, mit dem die Sichtbarkeit von Seitenelementen beeinflusst werden kann. Dies ähnelt zwar dem, was Sie in Kreativanwendungen tun können, aber die beiden Konzepte unterscheiden sich dennoch grundlegend!

Oh, bei der Verwendung von OCG definiert die PDF-Spezifikation auch Dinge wie „OCCD“ und „OCMD“, die noch komplexere Funktionen ermöglichen. Aber das ist eine Geschichte für einen anderen Tag!


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